Rezension zu Stark auf countrymusicnews.de
02.07.2009 15:57
Rezension zu Stark auf countrymusicnews.de
Donnerstag, 02. Juli 2009 von Gunther Matejka (countrymusicnews.de)
Für
manchen Countryfan muss die Musik aus Amiland, aus Nashville stammen.
Englischsprachige Songs sind ein Muss – deutsche Titel für den einen
oder anderen dagegen der pure Horror. So ein bisschen kann man diese
Haltung fast verstehen. Immerhin wurden unter dem Etikett
"deutschsprachige Countrymusik" schon so manche musikalische
Peinlichkeit und textliche Plattheit verbrochen. Doch: Die deutsche
Szene hat dazu gelernt. Und die Triebfedern des Genres haben dabei auch
ganz genau erkannt, in welche Richtung Nashvilles' Countryzug rollt.
Nicht
dass alle hiesigen Acts gleich mit einem Hurra aufspringen würden.
Truck Stop geben heute weder eine etwas angejahrte Version von Rascal
Flatts, Tom Astor versucht nicht so hip wie Keith Urban zu sein – und
Linda Feller macht auch nicht auf Taylor Swift. Dennoch: ein bisschen
haben Rascal Flatts, Keith Urban und Taylor Swift auch in der heimischen
Szene ihre Spuren hinterlassen. Zarte Keime, in manchen Songs und
Sounds gehen sie gerade auf. Auch bei Linda Fellers neuem Album "Stark".
Man
muss sich nur mal den Opener "Ich schlaf in deinem T-Shirt" anhören:
Sonnige Melodien, smarte Gitarrenriffs, eine grandiose Fiddle (gespielt
von keinem Geringerem als Larry Franklin), ein entspannter, dennoch
packender Groove und eine Hookline die – keine Übertreibung – auch den
besagten Rascal Flatts zur Ehre gereichen würde. Das hat internationale
Klasse, keine Frage. Und das gilt auch für die Sängerin Linda Feller.
Dass sie deutsch singt – kein Problem. Eher sogar ein Vorteil, denn der
Text hält angenehm unverkrampfte Zeilen mit manch netter Metapher
bereit.
Diese hoch aufgelegte Messlatte nimmt natürlich nicht
jeder der 14 (inkl. ein Bonustrack) Titel. "Er ist kein Engel" – ist
kein Glanzlicht, zu brav, zu bieder; "Ich wär so gerne die Gitarre" –
ein flotter Zweivierteltakter, trotz hübscher Melodie etwas zu blechern
und hölzern; "Ein männerfreies Wochenende" – Calypso-Sound auf
Ostsee-Art, zu hüftsteif, zu germanisch. Dennoch: auch diese weniger
gelungenen Songs sind alles andere als richtig schwach.
Doch
gegen so manch andere Songperlen von "Stark" glänzen sie einfach etwas
weniger schillernd. Eine davon ist "Für uns zwei". Auch wenn hier der
Schwerpunkt ganz klar im Pop liegt, erinnert Linda Feller bei dieser
glamourösen, samtigen Komposition glatt an eine Celine Dion. Das gilt
auch für "Mein kleines großes Leben" – eine mit überbordenden Emotionen
aufgeladene Ballade, wie sie auch Faith Hill oder LeAnn Rimes gut zu
Gesicht stehen würde. Klar ist das purer Kitsch – aber in
Premium-Qualität!
Dieses hohe Qualitätslevel können Linda Feller
und ihr Produktionsteam um Christoph Leis-Bendorff und Rudolf Müssig
auch in den meisten weiteren Songs halten. Wie eine Marathonläuferin,
die gegen Ende der Distanz noch zum Spurt ansetzt, bietet auch die aus
Ohrdruf stammende Sängerin zum Finale der CD einige bemerkenswerte
Höchstleistungen: "Der beste Fehler meines Lebens" bietet prima Pop, an
"Die Frau die ich sein will" hätte auch Alice Schwarzer ihre Freude und
bei "Bis ich eines Tages selber Mama war" spricht sie wohl Millionen
Mütter aus der Seele – verpackt in gelungene Country-Pop-Klänge.
Fazit:
"Stark" heißt die CD – und Linda Feller löst das Versprechen ein. Eine
tatsächlich starke Leistung, gekrönt von manchen, jederzeit
internationalen Maßstäben gerecht werdenden Highlights.






